Mikrozement auf fliesen die mega Anleitung

Inhaltsverzeichnis & Themenübersicht

Mikrozement Fliesen überspachteln: unterschiedliche Untergründe und Praxisfälle

Wer vorhandene Fliesen mit Mikrozement überspachteln möchte, trifft in der Praxis auf sehr unterschiedliche Ausgangssituationen. Eine moderne großformatige Fliese mit schmaler Fuge stellt andere Anforderungen an die Vorbereitung als ein älterer Fliesenbelag mit tiefen Fugen, kleinformatiges Mosaik oder eine stark strukturierte Keramikoberfläche. Daher gehen wir in dem Artikel näher auf das Thema ein: Mit Mikrozement Fliesen überspachteln.

Deshalb gibt es nicht den einen universellen Aufbau, der ohne weitere Prüfung auf jeden vorhandenen Fliesenbelag übertragen werden sollte. Entscheidend ist vielmehr, aus welchem Material und welcher Oberflächenstruktur der vorhandene Belag besteht, wie groß der Fugenanteil ist und welche Höhenunterschiede ausgeglichen werden müssen.

Das Ziel der Untergrundvorbereitung ist dabei immer gleich: Aus dem vorhandenen Fliesenbelag muss eine ebene, feste und für den nachfolgenden Mikrozement geeignete Trägerfläche entstehen. Die einzelnen Arbeitsschritte und die dafür benötigten Materialien können sich jedoch erheblich unterscheiden.

Bei großen und sehr eben verlegten Fliesen mit schmalen Fugen muss beispielsweise nur ein vergleichsweise geringer Höhenunterschied zwischen Fliesenoberfläche und Fugen ausgeglichen werden. Bei kleinformatigen Fliesen oder Mosaik besteht dagegen ein wesentlich größerer Anteil der Gesamtfläche aus Fugen. Strukturierte Fliesen können zusätzlich Vertiefungen und Erhöhungen innerhalb der einzelnen Fliese besitzen. Bei schlecht oder sehr uneben verlegten Altbelägen kann wiederum ein deutlich stärkerer vollflächiger Ausgleich notwendig werden.

Auch die Oberflächenbeschaffenheit der Fliese spielt eine wichtige Rolle. Eine dichte, sehr glatte oder glasierte Oberfläche stellt andere Anforderungen an die Haftvermittlung als eine bereits raue oder mechanisch vorbereitete Oberfläche. Die Haftbrücke und die darauf folgende Spachtel- beziehungsweise Trägerschicht müssen deshalb zum vorhandenen Untergrund und zueinander passen.

Genau an dieser Stelle wird häufig ein grundlegender Fehler gemacht: Mikrozement sollte nicht dazu verwendet werden, größere Fugen, deutliche Höhenunterschiede oder einen unebenen Fliesenbelag auszugleichen. Mikrozement ist eine dünnschichtige dekorative Beschichtung und keine klassische Ausgleichs- oder Nivelliermasse. Je besser und gleichmäßiger die Trägerfläche vorbereitet ist, desto kontrollierter kann anschließend der eigentliche Mikrozementaufbau ausgeführt werden.

Für die meisten Wandflächen und viele kleinere beziehungsweise stärker gegliederte Flächen arbeiten wir deshalb in den folgenden Praxisbeispielen hauptsächlich mit standfesten, für den jeweiligen Anwendungsfall geeigneten Spachtel- und Ausgleichsmassen. Damit lassen sich Fugen, Vertiefungen und lokale Höhenunterschiede gezielt bearbeiten, ohne dass das Material unkontrolliert verläuft.

Bei größeren Bodenflächen kann dagegen eine andere Vorgehensweise sinnvoll sein. Ist der vorhandene Fliesenboden grundsätzlich tragfähig, aber über eine größere Fläche uneben, kann eine geeignete selbstnivellierende Ausgleichsmasse eine interessante Alternative darstellen. Voraussetzung ist auch hier ein für Altkeramik geeigneter Systemaufbau mit passender Haftbrücke sowie eine Ausgleichsmasse mit ausreichender mechanischer Festigkeit. Diesen Sonderfall behandeln wir im weiteren Verlauf der Anleitung separat.

Die folgenden Praxisfälle zum Thema „Mikrozement Fliesen überspachteln“ sind deshalb nicht als starre Universallösungen zu verstehen. Sie sollen dabei helfen, den eigenen Fliesenuntergrund einer typischen Ausgangssituation zuzuordnen und daraus einen technisch sinnvollen Aufbau abzuleiten. Für jeden Fall betrachten wir die vorhandene Fliesenoberfläche, den typischen Fugenanteil, den erforderlichen Ausgleich, die Haftvermittlung und den Aufbau einer geeigneten Trägerschicht.

So entsteht nicht einfach eine weitere allgemeine Anleitung zum Thema „Mikrozement Fliesen überspachteln“. Stattdessen zeigen wir Schritt für Schritt, wie unterschiedliche vorhandene Fliesenbeläge für unser Mikrozement-SD-System als Mikrozement Fliesen überspachteln und praxisgerecht vorbereitet werden können – vom nahezu ebenen Großformat bis zum stark strukturierten oder deutlich unebenen Altbelag.

Mikrozement Fliesen überspachteln direkt

Mikrozement Fliesen überspachteln – direkt auf die vorhandene Fliese – es kann funktionieren, aber der Untergrund entscheidet

Mit Mikrozement Fliesen überspachteln und direkt auf vorhandene Fliesen aufzutragen, ist nicht grundsätzlich falsch. Auch in Erfahrungsberichten finden sich Anwendungen, bei denen vorhandene Fliesen direkt beschichtet wurden und die Nutzer mit dem Ergebnis zufrieden sind. Gleichzeitig gibt es Berichte über später sichtbare Fugenstrukturen, Unebenheiten, Risse oder einen unerwartet hohen Material- und Arbeitsaufwand. Daraus lässt sich weder ableiten, dass eine Direktbeschichtung zwangsläufig Probleme verursacht, noch dass sie für jeden Fliesenuntergrund gleichermaßen geeignet ist.

Gerade bei kleineren, überschaubaren Flächen, beispielsweise einem weitgehend ebenen Fliesenspiegel mit schmalen Fugen, kann ein dafür vorgesehenes Mikrozementsystem direkt auf dem entsprechend vorbereiteten Fliesenbelag durchaus eine praktikable Lösung sein. Entscheidend sind dabei immer die Vorgaben des verwendeten Systems sowie ein fester und geeigneter Untergrund.

Bei größeren Flächen oder Projekten mit entsprechend höherem Material- und Kostenaufwand würden wir dagegen einen definierten Grundaufbau mit einer geeigneten Spachtel- beziehungsweise Trägerschicht bevorzugen. Fugen und geringe Unebenheiten werden dann nicht mit dem vergleichsweise hochwertigen Mikrozement ausgeglichen, sondern zunächst mit einer dafür vorgesehenen Spachtelmasse egalisiert. Je nach Aufbau kann zusätzlich ein geeignetes Armierungsgewebe in diese Schicht eingebettet werden.

Das muss nicht zwangsläufig wesentlich mehr Arbeit oder höhere Materialkosten bedeuten. Eine geeignete Spachtelmasse kann in der erforderlichen Schichtdicke verarbeitet werden, während Mikrozement üblicherweise als dünnschichtige dekorative Beschichtung vorgesehen ist. Gleichzeitig wird weniger Mikrozement für das reine Egalisieren des alten Fliesenrasters verbraucht.

Mit dieser Anleitung möchten wir deshalb nicht behaupten, dass nur ein einziger Aufbau richtig ist. Wir zeigen vielmehr einen aus unserer Sicht besonders kontrollierbaren und wirtschaftlich nachvollziehbaren Weg: Zunächst wird aus dem vorhandenen Fliesenbelag eine möglichst ebene und homogene Trägerfläche hergestellt. Erst darauf folgt der eigentliche Mikrozement-SD-Aufbau.

Mikrozement Fliesen überspachteln Fachbetrieb Risiken

Mikrozement Fliesen überspachteln – Auch aus Sicht des ausführenden Fachbetriebs: Risiken beim Untergrund möglichst reduzieren

Für einen Fachbetrieb stellt sich die Frage nach dem geeigneten Aufbau noch einmal aus einer anderen Perspektive. Mit der Ausführung übernimmt der Betrieb Verantwortung für das hergestellte Werk. Bei Arbeiten an einem Bauwerk können Mängelansprüche nach dem BGB grundsätzlich fünf Jahre ab Abnahme bestehen. Entsprechend wichtig ist es, einen vorhandenen Fliesenuntergrund nicht nur danach zu beurteilen, ob eine unmittelbare Beschichtung grundsätzlich möglich wäre, sondern auch danach, welcher Aufbau für den Verarbeiter ein möglichst kontrollierbares und nachvollziehbares Ergebnis ermöglicht.

Ein vorhandener Fliesenbelag lässt sich durch Sichtprüfung, Abklopfen und weitere übliche Prüfverfahren beurteilen. Dennoch kann eine solche Prüfung nicht jede Eigenschaft und jede mögliche spätere Bewegung eines älteren Untergrundes vollständig erfassen. Bestehen erkennbare Zweifel am Untergrund oder an der vorgesehenen Ausführung, sind für den ausführenden Betrieb außerdem seine Prüf- und Hinweispflichten beziehungsweise gegebenenfalls die Anzeige von Bedenken zu berücksichtigen.

Gerade bei größeren oder hochwertigen Flächen kann es deshalb sinnvoll sein, zusätzliche Sicherheit bereits bei der Untergrundvorbereitung einzuplanen. Eine geeignete Haftbrücke, eine ausreichend feste Spachtel- beziehungsweise Trägerschicht und – soweit für den jeweiligen Systemaufbau vorgesehen – eine darin eingebettete Armierung schaffen eine gleichmäßigere und definiertere Grundlage für den anschließenden Mikrozementaufbau.

Eine solche Trägerschicht kann beispielsweise Fugenstrukturen egalisieren, kleinere oberflächliche Spannungen besser verteilen und unterschiedliche Oberflächenbereiche vereinheitlichen. Sie kann jedoch keinen nicht tragfähigen Untergrund sanieren und stellt keine Garantie gegen konstruktive Bewegungen oder Risse dar. Lose Fliesen, vorhandene Risse, Hohlstellen, Bewegungsfugen oder andere erkennbare Mängel müssen deshalb weiterhin fachgerecht beurteilt und gegebenenfalls separat behandelt werden.

Aus unserer Sicht ist dieser zusätzliche Grundaufbau insbesondere bei größeren Flächen und professionell ausgeführten Kundenprojekten eine sinnvolle Möglichkeit, vermeidbare Risiken zu reduzieren. Gleichzeitig muss er weder unverhältnismäßig teuer noch wesentlich aufwendiger sein: Der notwendige Ausgleich erfolgt mit einer dafür vorgesehenen Spachtelmasse, während der höherwertige Mikrozement anschließend in seiner vorgesehenen dünnen Schicht auf einer bereits gleichmäßigen Trägerfläche verarbeitet werden kann.

Absolute Sicherheit kann auch dieser Aufbau nicht gewährleisten. Er schafft jedoch besser definierte Voraussetzungen für die nachfolgende Mikrozementbeschichtung und erleichtert dem Fachbetrieb eine technisch nachvollziehbare und dokumentierbare Ausführung.

Was vor jedem Praxisaufbau grundsätzlich zu beachten ist

Unabhängig davon, ob großformatige Fliesen, klassische Keramik, Mosaik, strukturierte Fliesen oder Feinsteinzeug überspachtelt werden sollen, müssen einige grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein. Die folgenden Arbeitsschritte gelten deshalb für alle nachfolgenden Praxisbeispiele und werden dort nur noch ergänzt, wenn der jeweilige Fliesenuntergrund besondere Anforderungen stellt. Bevor Sie los legen mit Mikrozement Fliesen überspachteln, sollten sie diese ersten Schritte immer durchführen.

Mikrozement Fliesen überspachteln Beurteilung

1. Vorhandenen Fliesenbelag beurteilen

Der bestehende Fliesenbelag bildet die Grundlage des gesamten weiteren Aufbaus. Er muss ausreichend fest und tragfähig sein. Lose oder hohl liegende Fliesen, größere Ausbrüche, Risse oder erkennbare Bewegungen dürfen nicht einfach mit einer neuen Spachtelschicht überdeckt werden.

Auch Ebenheit, Fugenbreite, Fugentiefe und Höhenunterschiede zwischen einzelnen Fliesen sollten vor Beginn beurteilt werden. Daraus ergibt sich später, ob eine vergleichsweise dünne Egalisierung genügt oder eine stärkere Ausgleichsschicht erforderlich wird.

Die ausführliche Prüfung des vorhandenen Fliesenbelags haben wir bereits in unserer allgemeinen Anleitung „Mikrozement auf Fliesen auftragen“ beschrieben. In den folgenden Praxisfällen konzentrieren wir uns deshalb darauf, wie aus dem jeweils vorhandenen Fliesenbelag eine geeignete Trägerfläche für Mikrozement hergestellt wird.

2. Fliesen gründlich reinigen und vorbereiten

Vor dem Aufbau einer Haftbrücke müssen haftungsmindernde Rückstände vollständig entfernt werden. Dazu gehören insbesondere Fett, Seifen- und Pflegemittelreste, Wachs, Kalkablagerungen, Staub, Schleifrückstände und andere Verunreinigungen.

Besonders bei älteren Fliesen in Badezimmern und Küchen ist dieser Arbeitsschritt wichtig. Oberflächen können über viele Jahre mit Reinigungs-, Pflege- oder Versiegelungsprodukten behandelt worden sein. Eine Fliese kann deshalb optisch vollkommen sauber erscheinen und trotzdem Rückstände besitzen, welche die Haftung des nachfolgenden Systems beeinträchtigen.

Nach der Reinigung muss der Untergrund ausreichend trocknen. Ob die keramische Oberfläche zusätzlich mechanisch vorbereitet beziehungsweise angeschliffen werden muss, richtet sich nach dem vorhandenen Belag und dem anschließend eingesetzten Haft- und Spachtelsystem.

3. Haftbrücke passend zur Spachtelmasse auswählen

Keramische Fliesen sind häufig dichte und nur gering oder überhaupt nicht saugende Untergründe. Eine mineralische Spachtel- oder Ausgleichsmasse sollte deshalb nicht ohne eine für den jeweiligen Aufbau geeignete Untergrundvorbereitung aufgebracht werden.

Welche Haftbrücke erforderlich ist, hängt sowohl von der vorhandenen Oberfläche als auch von der anschließend verwendeten Spachtelmasse ab. Je nach Herstellersystem können beispielsweise spezielle Haftgrundierungen für dichte, nicht saugende Untergründe oder Reaktionsharzgrundierungen mit Quarzsandabstreuung vorgesehen sein.

Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz für alle folgenden Praxisaufbauten:

Haftbrücke und Spachtelmasse werden nicht beliebig miteinander kombiniert.

Wir orientieren uns an den technischen Vorgaben des jeweiligen Herstellers und verwenden einen dokumentierten beziehungsweise für den betreffenden Untergrund vorgesehenen Systemaufbau. Deshalb nennen wir bei den folgenden Praxisbeispielen jeweils konkrete geeignete Kombinationen aus Haftbrücke und Spachtel-/Ausgleichsmasse.

Mikrozement Fliesen überspachteln Fliesen

Geeignete Spachtelsysteme für glatte, großformatige Fliesen

Dieser Abschnitt befasst sich mit der vorherigen Vorbereitung, bevor Sie mit Mikrozement Fliesen überspachteln und erklärt Ihnen, wie Sie das Projekt umsetzen, wenn Sie nicht direkt Mikrozement auf die Fliesen auftragen möchten.

Glatte, großformatige und bereits weitgehend eben verlegte Fliesen benötigen in der Regel keinen starken Höhenausgleich. Der vorhandene Fugenanteil ist vergleichsweise gering und größere Unebenheiten sind bei diesem Praxisfall nicht vorhanden. Trotzdem sollen die Fugen nicht lediglich oberflächlich geschlossen werden. Ziel ist eine vollflächige, homogene und ausreichend feste mineralische Trägerschicht, auf der das ursprüngliche Fliesenraster nicht mehr die spätere Mikrozementoberfläche beeinflusst.

Für diesen Aufbau eignen sich insbesondere standfeste, kunststoff- beziehungsweise kunstharzvergütete Spachtel- und Ausgleichsmassen, die sich kontrolliert auf der Fläche verarbeiten lassen. Die erforderliche Schichtdicke richtet sich dabei nach Fugentiefe, vorhandenen geringfügigen Höhenunterschieden und dem gewählten Aufbau. Es soll nicht unnötig viel Material aufgetragen werden, sondern genau so viel, wie für eine gleichmäßige und belastbare Trägerfläche erforderlich ist.

Soll zusätzlich eine Armierung eingesetzt werden, arbeiten wir mit einem alkalibeständigen Glasfasergewebe mit 160 g/m², das vollflächig in die dafür geeignete Spachtelschicht eingebettet wird. Das Gewebe darf anschließend nicht lose oder lediglich oberflächlich aufliegen. Es muss vollständig in die mineralische Trägerschicht integriert sein und anschließend ausreichend überdeckt werden.

Wichtig ist außerdem, Haftbrücke und Spachtelmasse als zusammengehörigen Aufbau zu betrachten. Nicht jede Grundierung sollte beliebig mit jeder Spachtelmasse kombiniert werden. Deshalb zeigen wir nachfolgend mehrere geeignete Varianten führender Hersteller mit der jeweils vorgesehenen Untergrundvorbereitung.

Wir legen uns dabei bewusst nicht auf einen einzigen Hersteller fest. Je nach Verfügbarkeit, gewünschter Verarbeitung und erforderlicher Schichtdicke können unterschiedliche Systeme sinnvoll sein. Für diesen Praxisfall kommen insbesondere folgende Varianten infrage.

Unsere Empfehlung für diesen Praxisfall: SCHÖNOX FS

Bei glatten, großformatigen und bereits weitgehend eben verlegten Fliesen ist in der Regel nur ein geringer Ausgleich von Fugen und kleineren Unebenheiten erforderlich. Für diesen Anwendungsfall empfehlen wir deshalb bevorzugt einen Aufbau mit SCHÖNOX FS. Die standfeste Feinspachtelmasse ermöglicht einen vergleichsweise dünnen, kontrollierten Flächenaufbau und eignet sich besonders gut, um aus dem vorhandenen Fliesenbelag eine gleichmäßige mineralische Trägerfläche für unser Mikrozement-SD-System herzustellen.

Andere geeignete Herstellersysteme sind ebenfalls möglich. Für den hier beschriebenen Case ist SCHÖNOX FS aufgrund des normalerweise geringen Ausgleichsbedarfs jedoch unsere bevorzugte Aufbauvariante.

Bei größeren Fugen und stärkeren Unebenheiten: Sopro RAM 3 als robuster Grundaufbau

Nicht jeder vorhandene Fliesenbelag ist so eben wie die zuvor gezeigten großformatigen Fliesen mit schmalen Fugen. Bei größeren oder tieferen Fugen, stärkeren Höhenunterschieden, strukturierten Fliesen oder einem insgesamt höheren Ausgleichsbedarf würden wir deshalb einen kräftigeren Grundaufbau bevorzugen. Als geeignete Variante sehen wir hier Sopro RAM 3 Renovier- & AusgleichsMörtel. Der standfeste, kunststoffvergütete und faserverstärkte Mörtel ist für größere Ausgleichsschichten ausgelegt und erreicht laut Sopro eine Druckfestigkeit von mindestens 20 N/mm².

Auf einem festen, tragfähigen und entsprechend vorbereiteten Altfliesenbelag kann grundsätzlich Sopro HaftPrimer S HPS 673 als Haftbrücke eingesetzt werden. Diese quarzsandmodifizierte Spezialgrundierung ist von Sopro ausdrücklich für dichte, glatte und nicht saugende Untergründe sowie insbesondere vorhandene keramische Beläge vorgesehen.

Eine Epoxidharz-Haftbrücke würden wir nicht allein deshalb einsetzen, weil die Fugen größer oder die Fliesen unebener sind. Entscheidend ist vielmehr die Qualität und Sicherheit des vorhandenen Untergrundes. Sopro unterscheidet selbst zwischen normalen dichten, nicht saugenden Untergründen, für die HPS 673 vorgesehen ist, und besonderen beziehungsweise kritischen Situationen, in denen Reaktionsharzgrundierungen eingesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise Untergründe mit geringer Oberflächenfestigkeit, Anforderungen an besonders hohe Festigkeiten oder Situationen, in denen zusätzlich eine Sperrwirkung gegen Feuchtigkeit erforderlich ist. Die Reaktionsharzgrundierung wird dabei mit Quarzsand abgestreut und bildet anschließend eine griffige Oberfläche für den mineralischen Aufbau.

Für einen normalen, festen und sicher haftenden keramischen Altbelag würden wir daher nicht automatisch auf Epoxidharz wechseln. Hier kann der wesentlich einfachere Sopro HPS 673 die passende Haftbrücke darstellen. Bei einem größeren, hochwertigen Projekt oder einem Untergrund, bei dem besondere Anforderungen bestehen, kann dagegen ein entsprechender Sopro-Reaktionsharzaufbau mit Quarzsandabstreuung sinnvoll sein. Die konkrete Auswahl sollte dann anhand des vorhandenen Untergrundes und der aktuellen Herstellervorgaben erfolgen.

Unser grundsätzliches Ziel bleibt dabei dasselbe: Nicht der Mikrozement soll tiefe Fugen und größere Unebenheiten ausgleichen. Zunächst wird eine möglichst feste, ebene und homogene mineralische Trägerfläche hergestellt. Erst anschließend beginnt der eigentliche Mikrozement-SD-Aufbau.

Kurz zusammengefasst: Bei weitgehend ebenen Großformatfliesen mit geringem Ausgleichsbedarf bevorzugen wir den zuvor beschriebenen dünneren SCHÖNOX-Aufbau. Steigt der notwendige Ausgleich deutlich an, ist Sopro RAM 3 für uns eine interessante und robustere Alternative. Die einzelnen Fälle und die jeweils geeigneten Aufbauten werden wir im weiteren Verlauf dieser Anleitung noch ausführlich behandeln.

Weitere Fliesentypen und besondere Ausgangssituationen

Neben großformatigen, weitgehend ebenen Fliesen gibt es zahlreiche weitere Ausgangssituationen. Entscheidend sind vor allem Fugenanteil, Oberflächenstruktur, Saugfähigkeit und vorhandene Unebenheiten. Die folgenden Praxisfälle zeigen kompakt, worauf bei der Vorbereitung besonders zu achten ist und welche Risiken berücksichtigt werden sollten.

Werkzeuge zum Überspachteln von Fliesen

Wer Mikrozement Fliesen überspachteln und dafür zunächst eine ebene, feste und geeignete Trägerschicht herstellen möchte, benötigt für die zuvor beschriebenen Aufbauten mit standfesten Spachtel- und Ausgleichsmassen keine umfangreiche Spezialausrüstung. Entscheidend sind die richtigen Werkzeuge, um den Untergrund zu kontrollieren, die Spachtelmasse sauber anzumischen, gleichmäßig aufzutragen und gegebenenfalls ein Armierungsgewebe fachgerecht einzubetten.